ADS oder ADHS? Linus erklärt den Unterschied
Linus erklärt den Unterschied zwischen ADS und ADHS
Hallo, ich bin Linus ??. Viele Kinder und Erwachsene fragen sich: „Hat mein Kind ADS oder ADHS – und was ist eigentlich der Unterschied?“ Ich versuche dir das hier so zu erklären, dass Kinder und Erwachsene es gemeinsam verstehen können.
Was bedeuten ADS und ADHS?
Beide Begriffe gehören zur gleichen „Familie“. Es geht immer um Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Selbststeuerung.
- AD = Aufmerksamkeitsdefizit – die Aufmerksamkeit lässt sich schwer steuern.
- H = Hyperaktivität – sehr viel Bewegungsdrang und innere Unruhe.
ADS bedeutet: Probleme mit der Aufmerksamkeit, aber ohne sichtbare Hyperaktivität.
ADHS bedeutet: Probleme mit der Aufmerksamkeit und zusätzlich viel motorische Unruhe.
Linus: „Stell dir vor, in deinem Kopf laufen ganz viele Programme gleichzeitig. Bei ADS und ADHS ist es schwer, nur bei einem Programm zu bleiben.“
Wie fühlt sich ADS an? – Still, aber sehr laut im Kopf
Kinder mit ADS wirken von außen oft ruhig, verträumt oder langsam, aber im Kopf ist sehr viel los:
- Sie schweifen schnell ab und „versinken“ in Gedanken.
- Sie brauchen länger, um mit Aufgaben zu beginnen oder sie zu Ende zu bringen.
- Sie vergessen Aufträge, Hausaufgaben oder wichtige Dinge, obwohl sie sich Mühe geben.
- Sie verlieren häufig Sachen wie Stifte, Heft oder Zettel.
- Sie werden leicht übersehen, weil sie nicht stören oder laut sind.
Für Kinder kann sich das zum Beispiel so anfühlen:
- „Ich will zuhören, aber meine Gedanken rutschen immer weg.“
- „Alle denken, ich passe nicht auf – dabei kämpfe ich die ganze Zeit dagegen an.“
- „Ich schäme mich, wenn ich wieder etwas vergessen habe.“
Linus: „ADS ist wie ein Film im Kopf, den die anderen nicht sehen können – sie merken nur, dass du gerade nicht bei ihnen bist.“
Wie fühlt sich ADHS an? – Wenn der Körper nie Pause macht
Bei ADHS ist das Gehirn genauso unruhig wie bei ADS – aber man sieht die Unruhe auch am Körper:
- Das Kind zappelt, rutscht auf dem Stuhl, steht oft auf oder rennt los.
- Es platzt mit Antworten heraus und redet viel, manchmal ohne Punkt und Komma.
- Es fällt schwer, abzuwarten, in einer Reihe zu stehen oder ruhig zu bleiben.
- Es handelt oft spontan, bevor es nachdenkt – und merkt erst hinterher, dass es Ärger gibt.
- Es bekommt häufiger Kritik wie „Setz dich hin!“, „Sei endlich ruhig!“ oder „Konzentrier dich doch!“.
So kann sich das innen anfühlen:
- „In mir ist ein Motor, der nie ausgeht.“
- „Ich weiß, dass ich leiser sein sollte, aber mein Körper macht einfach weiter.“
- „Ich will nicht ständig Ärger machen – es passiert einfach.“
Linus: „Bei ADHS ist mein Kopf voll Ideen – und mein Körper will sie alle gleichzeitig ausprobieren.“
Der wichtigste Unterschied auf einen Blick
- ADS: äußere Ruhe, innere Unruhe im Kopf – Kinder wirken verträumt oder langsam.
- ADHS: Unruhe im Kopf und im Körper – Kinder sind sichtbar zappelig und impulsiv.
Trotzdem haben beide Formen viel gemeinsam: Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation, Arbeitsstruktur und Selbststeuerung. Wie stark das ist, ist von Kind zu Kind verschieden.
Was bedeutet das für Kinder?
- Sie sind nicht faul und nicht „ungezogen“.
- Ihr Gehirn arbeitet einfach auf eine andere Weise – oft sehr kreativ und schnell.
- Sie brauchen klare Strukturen, wiederkehrende Abläufe und verständliche Regeln.
- Sie brauchen Erwachsene, die sehen, wie viel Mühe sie sich geben – nicht nur, was schiefgeht.
Was können Erwachsene tun?
- Ruhig bleiben, auch wenn es anstrengend wird – Kinder mit ADS/ADHS sind selbst oft gestresst von sich.
- Kurz, klar und konkret sprechen: lieber eine Aufgabe nach der anderen als fünf auf einmal.
- Gemeinsam feste Rituale entwickeln (Morgenroutine, Hausaufgabenablauf, Abendritual).
- Erfolge bewusst hervorheben: „Das hast du heute richtig gut geschafft.“
- Mit Fachkräften sprechen, wenn der Alltag sehr schwierig wird – Unterstützung ist kein Versagen.
Linus: „Wir brauchen keine Menschen, die nur unsere Fehler zählen, sondern Menschen, die uns zeigen, wo unsere Stärken sind.“
Mutmach-Satz für Kinder
Du bist nicht „zu viel“ und nicht „zu wenig“. Du bist genau richtig – aber du brauchst vielleicht andere Wege, um zu lernen, dich zu konzentrieren und dich wohlzufühlen. Mit Verständnis, Humor und guter Begleitung können aus deinen Schwierigkeiten echte Superkräfte werden.



